Titan-Lochblech ist eine der einfacheren Produktformen innerhalb der porösen Metalle: ein flaches Blech mit gestanzten oder gebohrten Löchern in regelmäßigem Muster. Doch genau diese Einfachheit ist ein Vorteil. Lochblech bietet eine berechenbare offene Fläche, hohe strukturelle Festigkeit und die volle Korrosionsbeständigkeit von Titan in einer Form, die sich gut fertigen, schweißen und montieren lässt. Dieser Beitrag behandelt verfügbare Spezifikationen, Lochmuster und Anwendungen, in denen Titan-Lochblech Edelstahlalternativen überlegen ist.

Werkstoffgüten
Titan-Lochblech wird aus Flachmaterial nach ASTM B265 hergestellt. Die zwei Standardgüten sind:

- Grade 1 — die weichste CP-Titangüte mit mindestens 240 MPa Zugfestigkeit. Beste Umformbarkeit, also einfacher zu biegen, zu ziehen und nach der Perforation zu stanzen. Bevorzugt für Architekturpaneele, Umformteile und Galvanikkörbe, wenn nachträgliche Formgebung notwendig ist.
- Grade 2 — mindestens 345 MPa Zugfestigkeit. Standardwahl für strukturelle und prozesstechnische Anwendungen. Gute Balance aus Festigkeit, Umformbarkeit und Schweißbarkeit. Die meisten Lagerformate sind Grade 2.
Grade 5 (Ti-6Al-4V) ist auf Sonderbestellung für Luftfahrt- oder Hochlastanwendungen erhältlich, wobei die höhere Härte Werkzeugverschleiß und Kosten erhöht.
Lochmuster
Rundlöcher – 60° versetzt
Das häufigste Muster. Runde Löcher in dreieckiger, 60° versetzter Anordnung. Diese Geometrie bietet bei gegebener Lochgröße und Blechfestigkeit die höchste offene Fläche. Standard für Filtration, Drainage, Belüftung und allgemeine Siebanwendungen. Die offene Fläche liegt typischerweise zwischen 30% und 58%, abhängig von Durchmesser und Teilung.
Rundlöcher – gerade Reihen (90°)
Runde Löcher in quadratischem Raster. Die offene Fläche ist bei gleichem Verhältnis von Loch zu Teilung geringer als bei der versetzten Anordnung, aber die Ausrichtung kann bei speziellen Strömungsverteilungsanforderungen oder aus gestalterischen Gründen nützlich sein. In Querrichtung ist dieses Muster teilweise etwas steifer.
Quadratlöcher
Gestanzte quadratische Öffnungen, meist in geraden Reihen. Eingesetzt in anspruchsvollen Siebprozessen, bei denen die Quadratöffnung über die Diagonale eine klar definierte Pass-/Nicht-Pass-Größe vorgibt. Typisch in Klassier- und Sortieranwendungen. Mit schmalen Stegen sind 50–60% offene Fläche möglich.
Sechsecklöcher (Wabenmuster)
Sechseckige Perforationen ermöglichen hohe offene Flächen von über 60% bei gleichzeitig brauchbarer struktureller Integrität. Das Muster verteilt Spannungen gleichmäßiger als Rundlöcher bei vergleichbarer Offenfläche. Typische Anwendungen sind Lautsprechergitter, Architekturpaneele und EMI-Abschirmungen.
Spezifikationen
Grundwerkstoff: ASTM B265 Grade 1 / Grade 2 CP Titan

Blechdicke: 0.5–6.0 mm
Lochdurchmesser: 0.5–25 mm (rund); 0.5–20 mm (quadratisch/sechseckig)
Teilung: Abstand Lochmitte zu Lochmitte, typischerweise 1.5× bis 3× Lochdurchmesser
Offene Fläche: 20–60% (abhängig von Lochgröße, Teilung und Muster)
Tafelgröße: Standard bis 1000 × 2000 mm, Sondergrößen auf Anfrage
Toleranzen: Lochdurchmesser ±0.1 mm, Teilung ±0.15 mm, Blechdicke gemäß ASTM B265
Kantenbearbeitung: geschnitten, laserbearbeitet oder entgratet nach Vorgabe
Oberflächenfinish: Walzoberfläche, gebeizt oder poliert
Anwendungen
Einbauten in chemischen Reaktoren
Titan-Lochblech wird als Trägerboden in Destillationskolonnen, als Stützplatte für Katalysatorbetten und als Verteilerplatte in Reaktoren mit korrosiven Medien verwendet. In Chloralkali-Anlagen zerstören feuchtes Chlorgas und heiße Sole Kohlenstoffstahl und greifen 316L an Schweißnähten und Spalten an. Titantrays können dort jahrzehntelang laufen. Das Lochmuster wird so gewählt, dass die erforderliche Flüssigkeits- oder Gasverteilung bei ausreichender Tragfähigkeit erreicht wird.

Galvanikkörbe und Vorrichtungen
Titankörbe halten Bauteile in Chromsäure-, Schwefelsäure- und Mischsäurebädern. Die perforierte Struktur ermöglicht Elektrolytströmung und hält gleichzeitig kleine Teile zurück. Titan kontaminiert das Bad nicht, im Gegensatz zu Edelstahl, der sich in Chromsäure lösen und Eisenverunreinigungen eintragen kann. Für gebogene Körbe ist Grade 1 wegen seiner besseren Umformbarkeit besonders geeignet.
Meerwasseransaugung und Kühlsiebe
Kraftwerke, Entsalzungsanlagen und Offshore-Plattformen verwenden Titan-Lochblech als Ansaugsiebe und Grobfilter in Meerwasserkreisläufen. Typische Lochgrößen liegen bei 3-10 mm zur Makroabscheidung von Meeresorganismen und Fremdstoffen. Die Beständigkeit gegen Lochkorrosion in Meerwasser und die glatte TiO₂-Oberfläche, die Bewuchs reduziert, machen Titan zu einer Standardlösung für langlebige Marineanwendungen.
Architektur- und Akustikpaneele
Perforierte Titanpaneele werden in hochwertigen Fassaden, Innenverkleidungen und akustischen Anwendungen eingesetzt, besonders in Küsten- oder Industrieumgebungen. Sie bieten Belüftung, Sonnenschutz und in Kombination mit Absorbermaterial auch Schallabsorption.
Lautsprechergitter und Elektronikgehäuse
Dünnes Titan-Lochblech von 0.5-1.0 mm wird für Lautsprechergitter und Schutzabdeckungen hochwertiger Elektronik eingesetzt. Die geringe Dichte und hohe Steifigkeit reduzieren Resonanzen, während die Korrosionsbeständigkeit das Erscheinungsbild langfristig erhält.
Titan vs. Edelstahl-Lochblech
Die Abwägung ist relativ klar:
- Titan verwenden, wenn Chloride wie Meerwasser, Sole oder HCl vorliegen, oxidierende Säuren wie Chrom- oder Salpetersäure im Spiel sind, erhöhte Temperaturen in korrosiven Medien auftreten oder Metallionenkontamination vermieden werden muss. Auch bei Gewichtseinsparung ist Titan attraktiv.
- Edelstahl verwenden, wenn die Umgebung nicht korrosiv genug ist, um den Mehrpreis von Titan zu rechtfertigen. Für Wasser bei Umgebungstemperatur, milde Chemie, Lebensmittelprozesse oder HVAC-Screening ist Edelstahl meist die wirtschaftlichere Wahl.
Ein verbreiteter Ansatz in der chemischen Verfahrenstechnik ist, mit 316L zu beginnen und gezielt auf Titan umzusteigen, wenn bestimmte Komponenten wiederholt korrosionsbedingt ausfallen. So wird Titan dort eingesetzt, wo es tatsächlich Rendite bringt.
Hinweise zur Verarbeitung
Titan-Lochblech kann mit üblichen Titanverfahren geschnitten, gebogen, gerollt und geschweißt werden. Beim Schweißen ist auf beidseitige Argonabschirmung zu achten, da Titan oberhalb von etwa 400°C Sauerstoff und Stickstoff aufnimmt und versprödet. Für das Biegen wird bei Grade 2 ein Mindestbiegeradius von 2–3× Blechdicke empfohlen; Grade 1 erlaubt engere Radien.
Weitere Informationen zu Spezifikationen und Verfügbarkeit finden Sie auf unserer Produktseite für Titan-Lochblech oder kontaktieren Sie uns mit Zeichnung oder Spezifikationsanforderung.